Mit den eigenen Waffen geschlagen: Die Reaktion des EuGH auf den unbedingten Vorrang der Menschenwürde vor dem Unionsrecht nach dem BVerfG

Der EuGH bewegt sich – aber er gibt dabei klar die Richtung vor. Das ist das Fazit zu seinem Urteil von vorgestern zum europäischen Haftbefehl. Die Antwort auf eine Vorlage des OLG Bremen, in der es um die Auslieferung aufgrund eines europäischen Haftbefehls bei der Gefahr menschenrechtswidriger Haftbedingungen im ersuchenden Staat ging, war zuletzt mit besonderer Spannung erwartet worden. Denn das BVerfG hatte vor kurzem einen Auslieferungsfall nach Italien zum Anlass genommen, nach Jahrzehnten die Solange-Rechtsprechung für den Anwendungsbereich der Menschenwürde in den Ruhestand zu verabschieden: Künftig hat Art. 1 Abs. 1 GG über den Hebel der Identitätskontrolle, und zwar ungeachtet des generellen Grundrechtsschutzstandards in der EU, immer Vorrang vor kollidierenden unionsrechtlichen Verpflichtungen. Dies konnte von europäischer Seite kaum unwidersprochen bleiben.

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Sind Staaten auch nur Menschen?

Grundrechte sind für Menschen da, nicht für Staaten. Das ist nach deutscher Verfassungsdoktrin so selbstverständlich, dass man sich kaum traut es hinzuschreiben. Der Staat hat keine Grundrechte, kann schon aus denklogischen Gründen keine haben. Grundrechte binden die öffentliche Gewalt: Sie sollen ihr nicht Freiheit geben, sondern welche nehmen. Gilt das auch für europäische Grundrechte? Das könnte zweifelhaft erscheinen, wenn man das heute verkündete Urteil Bank Mellat des Europäischen Gerichtshofs ansieht.

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The Delvigne judgment and the European franchise: going boldly… but perhaps not boldly enough

In it’s recent "Delvigne" decision, the Court took a rather bold stance on the material scope of the right to vote and to stand as a candidate at elections to the European Parliament. I will however also argue that, in some respect, this stance was not bold enough.

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What Schrems, Delvigne and Celaj tell us about the state of fundamental rights in the EU

The overall message looks puzzling. First, privacy is a super-fundamental right that reigns supreme above all other rights after the Court’s decision in Schrems. Second, national electoral rules governing the right to vote in elections to the European Parliament come under the scope of application of the Charter, but Member States can restrict such a right as long they do so in a proportionate way, says the Court in Delvigne. And third, illegal immigrants who have already been ordered to abandon the territory of the EU can be subject to criminal prosecution if they ever return, according to the Court in Celaj. In sum, Privacy is a super-fundamental right. The right to vote is quite super, but not as much. The rights to liberty and free movement are not super at all, at least when they concern third country nationals. Is this the kind of case-law one would expect from a fundamental rights court? Does this make any sense at all? Maybe it does.

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The Force awakens – The Schrems case from a German perspective

Just like Star Wars, the "Solange" saga about German constitutional order’s approach to fundamental rights protection in the context of European integration appeared as a story told and settled. But now there are rumours that in Germany Solange Episode III is in the making, with a release date around 2016. The ECJ’s Schrems decision will bring some turmoil to the Solange Episode III production in Germany.

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Peter M. Huber in nationaler Mission, oder: Wann kommt das dritte Solange-Urteil aus Karlsruhe?

Peter M. Huber, Staatsrechtsprofessor aus München und fürs Europäische zuständiger Richter im Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts, beklagt in der FAZ die angebliche Zaghaftigkeit des deutschen Auftritts in Europa. Das überrascht – macht aber einen gewissen Sinn, wenn man die Sorgen des Bundesverfassungsgerichts um seine eigene Relevanz in Europa bedenkt. Mit dem OMT-Urteil wird wohl auch die jüngste Runde im Wettstreit mit dem EuGH bald ihr friedliches Ende finden. Doch ein Fall, den Karlsruhe angeblich noch in diesem Jahr entscheiden will, scheint bereits eine Steilvorlage zu bieten, sich als Verfassungsinstanz über europäisches Recht und europäische Institutionen wieder kraftvoll ins Spiel zu bringen.

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