17 March 2026

Stellungnahme zur deutschen Außenpolitik im Zuge der Angriffe der USA und Israels auf den Iran 

Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit Völkerrecht und den internationalen Beziehungen befassen, sind wir besorgt über die Reaktionen der deutschen Politik auf den am 28. Februar 2026 gestarteten Angriff der USA und Israels auf die Islamische Republik Iran. Die bisherigen Stellungnahmen der deutschen Bundesregierung lassen keine klare Verurteilung des völkerrechtswidrigen Vorgehens erkennen und tragen damit zur weiteren Aushöhlung der regelbasierten und institutionellen Ordnung in Europa und der Welt bei.

Der Einsatz militärischer Gewalt gegen den Iran durch Israel und die USA stellt einen Verstoß gegen das völkerrechtliche Gewaltverbot dar.

Da kein bewaffneter Angriff des Irans auf Israel, die USA oder andere Staaten unmittelbar bevorstand, ist die Gewaltausübung nicht durch das Recht auf Selbstverteidigung gerechtfertigt. Zum Zeitpunkt des Angriffs durch die USA befanden sich die US-amerikanische und die iranische Regierung noch in Verhandlungen über das iranische Atomprogramm, und es fehlen Belege dafür, dass die Herstellung und der Einsatz einer Atombombe oder anderer Waffen imminent waren.

Auch die beispiellosen Gräueltaten der iranischen Regierung an der eigenen Bevölkerung rechtfertigen die Raketen- und Bombenangriffe durch die USA und Israel auf Ziele im Iran nicht. Zwischenstaatliche Einsätze von Waffengewalt als Reaktion auf gravierende Menschenrechtsverstöße und humanitäre Notlagen können nur durch Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen autorisiert werden. Eine Berufung auf das umstrittene Instrument der humanitären Intervention in Ausübung einer Schutzverantwortung auch ohne UN-Mandat kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil die Art der Durchführung der Angriffe und die Auswahl der Ziele offensichtlich nicht der Verbesserung der humanitären Situation der iranischen Bevölkerung dienen. Weder die USA noch Israel haben sich durch Anrufung des Sicherheitsrats oder der Generalversammlung um ein multilaterales Vorgehen bemüht.

Die Bundesregierung hat der Rechtswidrigkeit dieses Angriffs bei der Entscheidung über die Nutzung von Militärbasen auf deutschem Territorium Rechnung zu tragen, um nicht Gefahr zu laufen, sowohl das Völkerrecht als auch das Grundgesetz zu verletzen.

Die historische Verantwortung Deutschlands sowie die daran anknüpfende Völkerrechtsfreundlichkeit des Grundgesetzes verpflichten die Bundesregierung, völkerrechtliche Grundnormen als Grundlage deutscher Außenpolitik zu respektieren und zu stärken. Das Gewaltverbot ist die notwendige Bedingung einer friedlichen Welt und damit nicht verhandelbar. Internationale Kooperation, globale Governance, sowie transnationale wirtschaftliche Transaktionen basieren auf dem allseitigen Vertrauen in seine Einhaltung.

Nur eine prinzipiengeleitete Außenpolitik kann die Grundlage dafür bieten, dass das Völkerrecht in Zukunft auch von anderen Staaten eingefordert werden kann (bspw. in der Forderung nach Sicherheit und Souveränität der Ukraine und Grönlands). Wenn Drittstaaten die Einforderung von internationalen Rechtsnormen durch die deutsche Bundesregierung als selektiv wahrnehmen, kann dieser Eindruck von Doppelstandards zukünftige Abmachungen und vertrauensvolle Zusammenarbeit unterminieren.

Langfristig ist es daher nicht nur moralisch und rechtlich geboten, sondern auch im Eigeninteresse Deutschlands, auf einer regelbasierten Ordnung zu bestehen und entsprechend zu handeln. Wir fordern daher eine Rückkehr zur Grundlage der deutschen Außenpolitik, die auf der UN-Charta und dem Grundgesetz basiert sowie eine Verregelung und Verrechtlichung der internationalen Beziehungen anstrebt.

  1. Prof. Dr. Anne van Aaken, Universität Hamburg
  2. Prof. Dr. Andreas von Arnauld, CAU Kiel
  3. Prof. Dr. Felix Anderl, Universität Marburg
  4. Prof. Dr. Grażyna Baranowska, FAU Erlangen-Nürnberg
  5. Prof. Dr. Jochen von Bernstorff, Universität Tübingen
  6. Prof. Dr. Christina Binder, Bundeswehr-Universität München
  7. Prof. Dr. Christine Binzel, FAU Erlangen-Nürnberg
  8. Prof. Dr. Hannah Birkenkötter, ITAM
  9. Prof. Dr. Sigrid Boysen, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
  10. Prof. Dr. Marten Breuer, Universität Konstanz
  11. Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel, Universität Marburg
  12. Prof. Dr. Philipp Dann, HU Berlin
  13. Prof. Dr. Tobias Debiel, Universität Duisburg-Essen
  14. Prof. Dr. Janina Dill, Universität Oxford
  15. Prof. Dr. Thomas Diez, Universität Tübingen
  16. Prof. Dr. Andreas Fischer-Lescano, Universität Kassel
  17. Prof. Dr. Thomas Giegerich, Universität des Saarlandes
  18. Prof. Dr. Matthias Goldmann, EBS Universität
  19. Prof. Dr. Michaela Hailbronner, WWU Münster
  20. Prof. Dr. Felix Hanschmann, Bucerius Law School
  21. Prof. Dr. Gisela Hirschmann, Universität Leiden
  22. Prof. Dr. Anna Holzscheiter, TU Dresden
  23. Prof. Dr. Till Patrik Holterhus, Universität des Saarlandes
  24. Prof. Macartan Humphreys, Ph.D., WZB Berlin
  25. Prof. Dr. Florian Jeßberger, HU Berlin
  26. Prof. Dr. Oliver Kessler, Universität Erfurt
  27. Prof. Dr. Daniel-Erasmus Khan, Bundeswehr-Universität München
  28. Prof. Dr. Simon Koschut, Zeppelin Universität Friedrichshafen
  29. Prof. Dr. Markus Kotzur, Universität Hamburg
  30. Prof. Dr. Markus Krajewski, FAU Erlangen-Nürnberg
  31. Prof. Dr. Andreas Kulick, JGU Mainz
  32. Prof. Dr. Heike Krieger, FU Berlin
  33. Prof. Dr. Nico Krisch, Graduate Institute Genf
  34. Prof. Dr. Felix Lange, Universität Köln
  35. Prof. Dr. Andrea Liese, Universität Potsdam
  36. Prof. Dr. Philipp Liste, HS Fulda
  37. Prof. Dr. Matthias Mahlmann
  38. Prof. Dr. Christian Marxsen, HU Berlin
  39. Prof. Dr. Franz Mayer, Universität Bielefeld
  40. Prof. Dr. Nele Matz-Lück, CAU Kiel
  41. Prof. Dr. Stefan Oeter, Universität Hamburg
  42. Prof. Dr. Mehrdad Payandeh, Bucerius Law School
  43. Prof. Dr. Birgit Peters, Universität Trier
  44. Dr. Hanna Pfeifer, IFSH
  45. Prof. Dr. Eva Pils, FAU Erlangen-Nürnberg
  46. Prof. Dr. Alexander Proelß, U Hamburg
  47. Prof. Dr. Nina Reiners, Universität Oslo
  48. Prof. Dr. Dagmar Richter, Universität des Saarlands
  49. Prof. Dr. Solveig Richter, Universität Leipzig
  50. Prof. Dr. Conrad Schetter, Universität Bonn & Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc)
  51. Prof. Dr. Klaus Schlichte, Universität Bremen
  52. Prof. Dr. Bernhard Stahl, Universität Passau
  53. Prof. Dr. Dominik Steiger, TU Dresden
  54. Prof. Dr. Christian Walter, LMU München
  55. Prof. Dr. Antje Wiener, Universität Hamburg
  56. Prof. Dr. Michael Zürn, WZB

Weitere Unterzeichnende können sich bis zum 24. März 2026 hier melden: matthias.goldmann[at]ebs.edu


SUGGESTED CITATION  Stellungnahme aus der Wissenschaft, : Stellungnahme zur deutschen Außenpolitik im Zuge der Angriffe der USA und Israels auf den Iran , VerfBlog, 2026/3/17, https://verfassungsblog.de/stellungnahme-zur-deutschen-ausenpolitik-im-zuge-der-angriffe-der-usa-und-israels-auf-den-iran/.

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