Corona Constitutional #41: Apropos Hotspot

Während sich die mediale Aufmerksamkeit zurzeit hauptsächlich auf die neuesten Entwicklungen in der Corona-Pandemie und der Black-Lives-Matter-Bewegung richtet, droht die Situation an den EU-Außengrenzen derweil in Vergessenheit zu geraten. NIKI GEORGIOU und ROBERT NESTLER, die für die NGO „Equal Rights Beyond Borders” tätig sind, sprechen im heutigen Podcast-Interview mit Max Steinbeis über die unverändert angespannte Situation für Geflüchtete.

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Farewell to the European Constitutional Tradition

On 1 July 2020, with Russia’s coronavirus cases passing 650,000 and following an elaborate spectacle of public affirmation, the Russian electorate eventually confirmed the constitutional amendments. First proposed by Russian president Vladimir Putin in January, the 2020 Russian Constitutional Amendments were initially planned to enter into force only three months later upon approval in an ‘all-Russian vote’ scheduled for 22 April 2020 but had to be postponed due to the spread of the coronavirus. Although many of these amendments have to be considered mainly symbolic, they constitute the most fundamental changes of Russia’s Constitution in its 26-year history.

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Im Namen des Gesetzes

Die Frage, ob die grammatisch männliche Ansprache eine Frau in ihrem allgemeinen Persönlichkeitsrecht und ihren Rechten aus Art. 3 GG verletzt, bleibt vorerst weiter unbeantwortet. Die Verfassungsbeschwerde einer Sparkassenkundin, die gegen ihre Ansprache als “Kunde” in den Formularen der Bank geklagt hatte, hat das Bundesverfassungsgericht wegen Begründungsmängeln als unzulässig zurückgewiesen (Beschl. v. 26.05.2020 Az. 1 BvR 1074/18). Damit bleibt vorerst offen, ob ein Recht auf Nichtdiskriminierung durch Sprache besteht. Die Auseinandersetzung mit der Argumentation der Vorinstanz zeigt jedoch, dass in den Augen des BVerfG auch rechtliche Texte bis hin zum Grundgesetz selbst einem Sprachwandel unterworfen sein können, der gesellschaftliche Realitäten widerspiegelt.

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Offene Fragen der (Massen)Quarantäne

Die Anordnung von Quarantäne gehört seit Beginn der Corona-Epidemie zu den Schutzmaßnahmen, mittels derer die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden soll. In den letzten Wochen häufen sich Berichte über lokale Ausbrüche in Flüchtlings- und anderen Unterkünften und in Unternehmen (insbesondere Schlachthöfen) mit vielen (potentiellen) Infizierten. Die Behörden stellten deswegen ganze Unterkünfte, Wohnhäuser, -blocks und sogar Straßenzüge unter Quarantäne. Spätestens diese Massenquarantäne wirft viele rechtliche Fragen auf, deren Beantwortung eine verfassungswidrige Praxis offenbart.

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Corona Constitutional #40: Die innere Sicherheit

Was sich das Bundesinnenministerium eigentlich denkt, haben sich in letzter Zeit viele gefragt. Wenig präsent ist hingegen die Frage, wie das Innenministerium denkt. Der Anthropologe WERNER SCHIFFAUER erforscht die Kultur und innere Funktionsweise des BMI. Über zwiespältige Selbstbilder, institutionelle Persönlichkeitsspaltungen und autoritäres Erbgut spricht er im heutigen Podcast-Interview mit Max Steinbeis.

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Children in Lockdown

Medically (while more scientific studies are necessary), COVID-19 largely seems to have little impact on children. However, children have been deeply affected by the lockdowns implemented to protect everyone else’s vulnerability. There is one issue which has so far received scant attention in the Covid-19 English-language constitutional law analysis, namely that of the ramifications of domestic lockdowns for children’s constitutional protections. Using Norway as a case study, we identify a set of issues and propose how a critique could have been articulated.

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Corona Constitutional #39: Stare Decisis

Gestern hat der US Supreme Court ein Gesetz gekippt, das eine Abtreibung im Bundesstaat Louisiana nahezu unmöglich gemacht hätte. Die entscheidende Stimme kam von Chief Justice Roberts, einem erzkonservativen Abtreibungsgegner. Während sich Liberale erfreut die Augen reiben und das Weiße Haus ein “unglückliches Urteil” beklagt, wird STEPHEN F. ROSS von der Penn State Law School misstrauisch: Könnte es sein, dass Trumps scheinbarer Rückschlag eigentlich ein Wahlkampfgeschenk ist — in Abtreibungsdebatte verpackt und mit verfassungsrechtlichem Schleifchen verziert? Diese These bespricht er im heutigen Podcast-Interview mit Max Steinbeis.

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Volksverhetzung gegen Frauen

Kürzlich hat das OLG Köln entschieden, dass man auch gegen Frauen Volksverhetzung begehen kann. Diese wichtige Entscheidung ist Ausfluss der Einsicht, dass Hasskriminalität eine geschlechtsbezogene Dimension besitzt. Vor allem Hate Speech im digitalen Raum richtet sich häufig gegen Frauen. Die Entscheidung des OLG Köln überträgt dies in die strafrechtliche Praxis. Betrachtet man die Entscheidung zusammen mit den in Kürze in Kraft tretenden strafgesetzlichen Änderungen zum Thema Hasskriminalität, die erstmals auch Frauen als besonders stark von Hate Speech Betroffene in den Blick nehmen, zeichnet sich daher ein Paradigmenwechsel ab.

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Eine Roadmap für ein restriktives Abtreibungs­gesetz

Mit einer knappen Entscheidung hat der US Supreme Court ein Gesetz aus Louisiana, welches den Zugang zu Abtreibung stark beschränkte, für verfassungswidrig erklärt. Die Entscheidung wurde mit Spannung erwartet, da sie die erste zum Kampfthema Abtreibungsrecht war, seit unter Präsident Trump konservative Richter die Mehrheit am Supreme Court stellen – und dies obendrein im entscheidenden Wahljahr 2020. Zwar ist das Gesetz aus Louisiana nun obsolet, aber ob das Urteil als Sieg für die liberale pro-choice-Bewegung zu bewerten ist, steht auf einem anderen Blatt.

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Demoralisierung als Verfassungs­funktion

Bis zum 1. Juli 2020 findet nun in Russland die ursprünglich für den 22. April 2020 geplante, durch die Corona-Pandemie aber verschobene Volksabstimmung über die Verfassungsreform statt. Das Änderungsverfahren sagt viel aus über die Bedeutung der Verfassung im autoritär regierten Russland. Es zeigt auch den starken Zynismus in der russischen Verfassungspolitik und führt die Machtlosigkeit des politischen Gegners vor. Dies gilt auch für den Europarat.

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New Salt into an Open Wound

The entry ban imposed by the Japanese government on April 3 in the wake of the Covid-19 pandemic has shed a new light on the somewhat “schizophrenic” situation that foreign nationals in Japan often find themselves in. While the Japanese government is slowly trying to open the labor market for foreign talent, launching internationalization campaigns at universities and building towards an international image surrounding the upcoming Olympic Games, the reality of foreign workers’ rights protection in Japan looks bleak in many respects. In fact, foreign residents in Japan still face social and legal discrimination of various kinds.

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Haftung auf Umwegen

In einem fleischverarbeitenden Betrieb sowie dessen Umfeld in Rheda-Wiedenbrück stiegen die Infektionen mit COVID-19 vor kurzem explosionsartig an. Auch weil es in den Unternehmen womöglich zu Verstößen gegen Corona-Auflagen kam, kündigten mehrere Politiker an prüfen zu lassen, ob das Unternehmen herangezogen werden könne, um für die verursachten Kosten aufzukommen. Während sich die Haftung eines Unternehmens gegenüber Privaten durchaus begründen lässt, sieht es im öffentlichen Recht anders aus: Die eher unelastischen Vorschriften namentlich des Gefahrenabwehrrechts stoßen hier schnell an Grenzen, und es zeigt sich, dass das öffentliche Recht auf solche Konstellationen nicht vorbereitet ist.

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Frankenstein’s Court

Due to Brexit, the remaining 27 EU Member States would like to remove Eleanor Sharpston, an Advocate General nominated by the United Kingdom, from the CJEU. Many have criticized this idea, claiming that a removal would undermine the judicial independence of the Court. This post argues that the position taken by the EU 27 to remove Eleanor Sharpston from the Court is actually well-reasoned and lawful while leaving her in office would lead to strange consequences e.g. that the Judges of the Court are less protected than its Advocate Generals.

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Homophobia Disguised as Children’s Rights in Russia’s Constitutional Referendum

From the 25th of June to the 1st of July, Russia is holding a referendum, in which citizens are asked to vote on a package of amendments to the country’s constitution. The amended constitution could enable President Putin to remain in power until 2036. State officials reportedly played down the resetting of presidential term limits. Instead, they focused on other amendments, especially those concerning faith in god, the preeminence of the Russian language, and the definition of marriage exclusively as a union between a man and a woman.

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Warum so schüchtern? Über ein Unternehmensstrafgesetz, das keines sein will

Der Referentenentwurf des Verbandssanktionengesetzes (VerSanG) ist da – und er verschenkt das enorme expressive Potenzial eines neuen Unternehmensstrafrechts: Er wirkt nicht einmal von außen gefährlich – Papierkätzchen statt Papiertiger. Und darunter leidet auch die verhaltenssteuernde Wirkung.

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Faithless Electors

As the U.S. Supreme Court term draws to a close, one set of eagerly watched cases could have potential implications for the upcoming presidential election in the United States. The Court is poised to decide two cases that involve so-called “faithless” electors. Electors are the people whose votes select the President of the United States, and the electors in these cases refused to cast their votes for the presidential candidate who won the popular vote in their home states.

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