21 Februar 2013

In eigener Sache: Unsere künftige Troll-Policy

Wir haben hier bisher immer eine sehr liberale Kommentar-Policy gefahren. In fast vier Jahren Verfassungsblog kann ich die Zahl der Kommentare, die ich löschen musste, an einer Hand abzählen. Wir waren und sind stolz darauf, dass die allermeisten unserer Kommentatoren zur Sache argumentieren und die Leser des Verfassungsblogs von so vielen anderen Websites ad nauseam bekannten Troll-Battles verschont bleiben.

Bislang mussten wir nicht viel tun dafür. Aus welchem Grund auch immer, Trolle gab es hier nur sehr selten. Das ändert sich aber mit zunehmendem Bekanntheitsgrad und wachsender Reichweite des Blogs.

Das nötigt uns, die Regeln zu ändern. Wir werden daher künftig eher und großzügiger Kommentare aus dem Thread entfernen, wenn sie uns geeignet erscheinen, andere Kommentatoren von einer Teilnahme an der Diskussion abzuschrecken.

Das sind inbesondere Kommentare, die

–       pöbeln, beschimpfen, diskriminieren,

–       die Diskussion als solche unterminieren oder ins Lächerliche ziehen sollen,

–       das Thema entern, um irgendeine ganz andere Agenda zu pushen, ob das nun die Nichtexistenz der Bundesrepublik oder die Weltverschwörung der Freimaurer oder die generelle Verkommenheit der Welt oder sonst irgendwas ist,

–       Trolle füttern.

Das sind nur Beispiele, keine Kriterien. Es haben sich schon Erfahrenere als wir vergeblich an der Aufgabe versucht, eine trennscharfe Definition des Trollens aufzustellen. Einstweilen wollen wir es wie Justice Potter Stewart vom US Supreme Court halten, der auf die Frage, woran man Pornographie erkennt, antwortete: I know it when I see it. Am Ende entscheiden wir nach eigenem Ermessen.

Wir hoffen sehr, von dieser Möglichkeit so wenig Gebrauch wie irgend möglich machen zu müssen. Wir wollen weiterhin offen bleiben auch für Diskussionsbeiträge, die manchen vielleicht „unsachlich“ oder „unqualifiziert“ erscheinen. Wir streben keinen geschlossenen Expertendiskurs an, in dem nur ein weiteres Mal lauter wohlbekannte Akteure lauter wohlbekannte Argumente untereinander austauschen – das ist das Gegenteil dessen, was wir wollen.

Damit wollen wir es jetzt mal versuchen und hoffen, dass uns allzu viel weitere Beschäftigung mit diesem Thema erspart bleibt.


SUGGESTED CITATION  Steinbeis, Maximilian: In eigener Sache: Unsere künftige Troll-Policy, VerfBlog, 2013/2/21, https://verfassungsblog.de/in-eigener-sache-unsere-kunftige-troll-policy/.

3 Comments

  1. Georg Neureither Do 21 Feb 2013 at 13:27 - Reply

    Trolle heißen Trolle, weil sie sich trollen sollen!

  2. le D Do 21 Feb 2013 at 14:03 - Reply

    Eventuell noch den Hinweis mit hineinnehmen: Das Löschen von Kommentaren ist keine Zensur im rechtlichen Sinne. Wer meint, dass sein Kommentar zu Unrecht gelöscht wurde, mag uns auf bekanntem Wege kontaktieren oder seine Auffassung in seinem eigenen Blog kundgeben.

    Viele Grüße und weiter so! ich lese hier sehr gerne, obwohl das Verfassungsrecht nicht mein alltägliches Brot ist.

  3. Noah Do 21 Feb 2013 at 15:10 - Reply

    Schwanke zwischen Gratulation und Kondolenz. Auf der einen Seite freut es mich, dass die Seite so relevant/groß ist, dass sie ein Ziel für entsprechende Trollhorden (oder eher herden?) ist. Auf der anderen Seite ist es schade, dass es nicht möglich ist sachliche Diskussionen zu führen, ohne das zusätzliche Arbeit beim moderieren anfällt.
    Macht weiter so, ich lese sehr gerne mit/kommentiere hier und ihr macht tolle Arbeit.

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