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27 August 2014

„Nudging“ kommt nach Deutschland

Obama hat es getan, Cameron hat es getan, und jetzt scheint auch Deutschland entschlossen: Angela Merkel will sich verhaltensökonomischen Rat suchen, um ihrem Sprecher zufolge neue Methoden für „wirksames Regieren“ zu erproben.

Dahinter steckt ein Ansatz, den der Verfassungsrechtler Cass Sunstein und der Ökonom Richard Thaler vor einigen Jahren mit ihrem Buch „Nudge. Improving Decisions about Health, Wealth and Happiness“ populär gemacht haben. „Libertärer Paternalismus“ heißt er: Anstatt autoritär mit Verbot, Befehl und Sanktion zu arbeiten, soll staatliche Regulierung Verhaltensänderung lieber auf andere Weise zu erreichen suchen – indem sie die Entscheidungsoptionen der Bürgerinnen und Bürger so verändert, dass sie von allein das „Richtige“ tun.

Die Nachricht, dass das Bundeskanzleramt jetzt offenbar dem US-amerikanischen und britischen Vorbild folgen und das „Nudgen“ in ihre Regulierungspraxis stärker einbauen will, kommt für uns genau zur rechten Zeit: Wir werden im Januar 2015 mit großzügiger Unterstützung der Vodafone-Stiftung eine zweieinhalbtägige internationale Konferenz an der Humboldt-Universität zum Thema „Choice Architecture in Democracies: Exploring the Legitimacy of Nudging“ veranstalten.

Wir sind im Moment noch mitten in der Planung, aber eins können wir schon verraten: Cass Sunstein wird die Keynote-Lecture halten.


SUGGESTED CITATION  Steinbeis, Maximilian: „Nudging“ kommt nach Deutschland, VerfBlog, 2014/8/27, https://verfassungsblog.de/nudging-kommt-nach-deutschland/, DOI: 10.17176/20180124-112918.

8 Comments

  1. Claire Mi 27 Aug 2014 at 19:29 - Reply

    Habe das jetzt nicht näher durchgelesen, aber auf den ersten Blick: Ist das in der (rechtswissenschaftlichen [mehr kenne ich nicht]) Diskussion nicht unter dem Begriff Indirekte Verhaltenssteuerung schon recht lange präsent und auch gesetzgeberisch angewandt?

  2. Christian Schmidt Fr 29 Aug 2014 at 18:56 - Reply

    Na ich hoffe da wird dann auch Nudging als bewusst ineffeziente Alternative zur Verhinderung von Gesetzen/Regeln die den Interessen bestimmter Gruppen entgegenstehen behandelt. Ein sehr gutes Beispiel ist hier Rauchen, man vergleiche mal die Wirksamkeit von staatlicher Kampagnen/Warnhinweisen mit einem strikten Rauchverbot in geschlossenen Räumen…

  3. Ano Nym Fr 29 Aug 2014 at 21:15 - Reply

    16. März 1970
    Trimm-dich-Bewegung

  4. Kai Stetten Sa 6 Sep 2014 at 10:29 - Reply

    Wird bei der Veranstaltung auch die kritische Seite vertreten sein?
    Eine kritische Haltung wäre angebracht, denn nicht jeder ist von NLP und seinen Unterarten begeistert.
    Sapere aude!

  5. Daniel Florian So 7 Sep 2014 at 14:30 - Reply

    Ich bin sehr gespannt auf die ersten Aktivitäten der neuen „Nudge-Unit“. In Deutschland ist der Ansatz ja ziemlich umstritten, auch wenn ich finde, dass „Nudging“ zum modernen Regieren heute einfach dazugehört: http://www.danielflorian.de/2014/08/26/angela-merkel-setzt-zu-recht-auf-nudging/

  6. Paul Sommer So 19 Okt 2014 at 22:55 - Reply

    Wirksamer Regieren??
    Ich wusste gar nicht, dass die Merkel überhaupt regiert. Ich erlebe sie nur als ausführendes Organ von Interessenvertretern.

  7. Rolf Neumann Fr 17 Jul 2015 at 14:34 - Reply

    Nudging unit ist ein möglicher , vielfältiger Ansatz für die Tätigkeiten
    der Menschen ( Behörden, Gesetzgebung,Konflikte). Ich favorisire u. a. die Bereiche Bildung, Schule, Administration !
    R.T. Neumann

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