DEBATE

All Debates on Verfassungsblog

Verfassungsblog hosts online symposia on topical events and developments in legislation and jurisdiction and puts cutting-edge scholarship up for discussion. Our aim is to create a lively and multi-faceted constitutionalist public sphere in Europe and beyond. Since 2011 high-profile issues of public interest in constitutional law and politics have been at the center of controversial debates on Verfassungsblog on a regular basis, including the constitutional decline in EU member states like Hungary, the regional separatism in Scotland and Catalonia, European constitutional courts and their fraught relationships et.al.

03 September 2026
,

Ein neues Betriebssystem des Staates

Palantir will nach eigenem Anspruch das „Betriebssystem des Staates“ werden. Die Software soll staatliches Handeln leistungsfähiger machen und wird dort, wo sie eingesetzt wird, schnell unverzichtbar. Das Problem der digitalen Souveränität stellt sich dabei unabhängig vom Herkunftsland des Anbieters. Denn proprietäre Systeme verändern die Arbeitsweise der Polizei von innen heraus. Sie machen Prozesse effizienter, können dabei aber genau jene bürokratischen Reibungsverluste beseitigen, die im Rechtsstaat eine wichtige Kontrollfunktion haben. Continue reading >>

Der Staat als digitaler Vasall

Mit den §§ 98d, 98e StPO-E will die Bundesregierung Ermittlungsbehörden weitreichende neue Befugnisse zur biometrischen Suche und automatisierten Datenanalyse geben. Zu niedrige Eingriffsschwellen und ein fehlender Richtervorbehalt sind dabei nur ein Teil des Problems: Der Entwurf schafft den rechtlichen Rahmen für Analyseplattformen wie Palantirs Gotham, die bereits in mehreren Bundesländern eingesetzt wird. Damit entscheidet die Technik zunehmend mit, welche Muster als verdächtig gelten und welche Ermittlungen daraus folgen. Continue reading >>

Translating Authority Into Action

During my academic life, which including my student days, spans almost 50 years, I engaged in trying to solve some of the complex riddles of what we call international law. How to relate international law as a legal system to the society it serves; what actually is the society it serves; and how does it respond to changes in that society? Where Monika Hakimi remains focused on theory, I probably lean more toward the possible impact of this on international law in practice. Continue reading >>
02 September 2026

Structural Rivalry, Hegemonic Contestation, and the Dynamic Resilience of International Law

Recent US practice has moved toward a more robust form of withdrawal, more extreme forms of resignification, and has adopted disruptive policies – such as the sanctions against the International Criminal Court and UN Special Rapporteurs – that suggest not merely disengagement, but an active effort to undermine the institutional scaffolding of key legal regimes within the (until now) US-backed liberal international order. Following Hakimi’s call to build theory taking as a starting point the realities of international practice, this new form of hegemonic engagement with international law should also inform our general theory of international law and help us better explain the authority of the system itself. Continue reading >>

Die neue DNA des Polizeirechts

Mit der automatisierten Datenanalyse öffnet sich das Sicherheitsrecht für KI. Die Analysetools sind bereits jetzt regelmäßig als Hochrisiko-KI nach der neuen KI-Verordnung der EU einzustufen. Auch Bund und Länder schaffen neue Regulierungen für deren Einsatz. Damit verändert sich vor allem die Architektur des Sicherheitsrechts. Wo die verfassungsrechtlichen Grenzen dieser Entwicklung liegen, ist vielfach noch offen. Continue reading >>

Neues Spiel, neues Glück

Das Bundesverfassungsgericht hat der automatisierten Polizeidatenanalyse 2023 enge verfassungsrechtliche Grenzen gesetzt. Seitdem haben Bund und Länder auf das Urteil mit einer Vielfalt an Regelungen reagiert. Gegen zwei dieser Neuregelungen liegen bereits Verfassungsbeschwerden vor. Wie weit darf der Einsatz automatisierter Datenanalyse und künstlicher Intelligenz bei den Sicherheitsbehörden gehen? Continue reading >>
01 September 2026

Verfassungswidrige Superdatenbank

Bereits die technische Vorbereitung der automatisierten Datenanalyse durch Polizeibehörden greift schwerwiegend in Grundrechte ein: Bevor auch nur eine einzige Analyse läuft, werden Daten von Verdächtigen, aber auch Geschädigten, Zeugen und Unbeteiligten in einem dauerhaften Informationspool zusammengeführt. Weil die Ermächtigungsgrundlagen weder Speicherfristen noch Speicherschwellen vorsehen, sind sie schon deshalb verfassungswidrig. Continue reading >>

International Law Beyond Sovereignty

Scholarly works on international law appear constantly. From time to time, however, a text emerges that prompts us to look at the entire body of literature through different eyes. Monica Hakimi’s article Thinking Constructively about International Law is one such contribution. This contribution argues that Hakimi offers a valuable new lens for reconsidering international legal thought, but questions whether moving beyond sovereignty is either necessary or desirable. It suggests that sovereignty and alternative forms of authority may be better understood as potentially complementary. Continue reading >>
,

Die Analyse vergisst nichts

Spätestens seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur automatisierten Datenanalyse ist geklärt, dass diese einen erheblichen und eigenständigen Grundrechtseingriff darstellt. Bemerkenswert an dem Urteil ist, dass das Gericht dem Gesetzgeber ausführlich aufzeigt, wie er die Eingriffsintensität der Datenanalyse steuern kann. Nicht nachvollziehbar ist, warum der Gesetzgeber diese Möglichkeiten bislang so wenig nutzt. Die Intensität der mit der Datenanalyse verbundenen Grundrechtseingriffe lässt sich insbesondere durch die Wahl der einbezogenen Datenbestände steuern. Continue reading >>
,

Juliane Kokott

Im Interview erzählt Juliane Kokott, wieso sie als Forscherin besonders glücklich mit dem Amt der Generalanwältin ist, weshalb das Amt eine innerliche Unabhängigkeit und gewisse Souveränität erfordert und warum insbesondere der Wertediskurs beim Gerichtshof im Fokus steht. Ferner spricht sie über Herausforderungen, welche sie in ihrer Karriere gemeistert hat und mit welcher Einstellung sie Zweifeln oder Rückschlägen begegnet. Continue reading >>
,

Juliane Kokott

In the interview, Juliane Kokott explains why, as a researcher, she is particularly happy with her current role as an Advocate General, why this position requires inner independence and a certain degree of composure, and why the value discourse is at the forefront of the Court’s work. She also discusses the challenges she has overcome in her career and the attitude she adopts when faced with doubts or setbacks. Continue reading >>
31 August 2026

Good-bye, Hobbes?

A specter is haunting international legal theory, and according to Monica Hakimi, it is the specter of Thomas Hobbes. It is not that there is widespread demand for a global leviathan to replace the many domestic ones. The Hobbesian specter, Hakimi argues, resides in the background, in the collective assumptions through which international lawyers see their own field, its successes and limits. Continue reading >>
,

International Legal Theory and Constructive Thinking

In recent years, Professor Monica Hakimi of Columbia University has been a leading voice in tackling the role of theory and philosophy of international law. This stream of thinking aims not only at elucidating the role, function, and authority of international law, but also at bolstering constructive thinking about its proper place in today’s world. Her recent piece “Thinking Constructively about International Law” is an insightful analysis that exposes some fundamental conceptual premises of our discipline and challenges them with a cogently structured set of questions: Do these premises still hold? Are we still justified in relying on them? And if not, what should we be doing instead? Continue reading >>

Wegducken vor den Fragen des digitalen Zeitalters

In mehreren Bundesländern arbeitet die Polizei bereits mit automatisierter Datenanalyse. Das soll nun auch für das BKA und die Bundespolizei möglich werden. Der Gefahr, dass Beamt*innen auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich den ganzen Heuboden durchleuchten, begegnen die Gesetzentwürfe nicht. Auch andere wichtige Fragen zu Diskriminierungsschutz, menschlicher Kontrolle und effektivem Rechtsschutz bleiben unbeantwortet. Continue reading >>
,

Palantir als Türöffner für die Dystopie

Die Palantir-Software „Gotham“ erscheint als Effizienzgewinn für die Polizei, tatsächlich aber öffnet sie die Tür zu einer neuen Form der Sozialkontrolle. Mittels Massendatenauswertung, Risikoprognosen und präventiveren Techniken soll die datengetriebene Polizeiarbeit Realität werden, die vielen als Antwort auf wachsende Sicherheitsbedürfnisse gilt. Dabei verschiebt sich die polizeiliche Kontrolle immer weiter ins Vorfeld konkreter Gefahren. So droht sich der Maßstab staatlicher Intervention grundlegend zu verändern. Continue reading >>
28 August 2026

Unwissen schützt vor Verantwortung nicht

Dem Einsatz von automatisierten Datenanalysen in Sicherheitsbehörden müssen Grenzen gesetzt werden – und zwar nicht nur zur Wahrung der Grundrechte, sondern auch, um den Ansprüchen des Staatsorganisationsrechts zu genügen. Die Exekutive muss sich vor der Legislativen verantworten. Das setzt ausreichendes Wissen über die Vorgänge im Regierungsapparat und damit den Einsatz von Softwarelösungen voraus. Aktuell droht die politische Verantwortung aufgrund mangelnden Wissens leerzulaufen. Continue reading >>

Gläserne Bürger:innen, abhängiger Staat

Palantir & Co. sind nicht nur ein gigantisches Datenschutzproblem. Die Systeme verschieben darüber hinaus Macht gleich doppelt – von den Bürger:innen zum Staat und vom demokratisch kontrollierten Staat zu privaten Firmen, im schlimmsten Fall zu Konzernen außerhalb Europas. Wie können wir Sicherheitsbehörden technisch stärken, ohne demokratische Kontrolle und digitale Souveränität preiszugeben? Dafür braucht es klare rote Linien, offene und unabhängig kontrollierbare Systeme, die ausschließlich europäischem Recht unterliegen. Continue reading >>
27 August 2026
,

Keine Software ist keine Alternative

Sehender Stein aus „Herr der Ringe“, „Super-Google“ und „Datenkrake“: Wie beschreibt die deutsche Presse die Polizeisoftware Gotham des US-Unternehmens Palantir? Eine Analyse von 21 Fokustexten zeigt, wie sich der öffentliche Diskurs zwischen Sicherheitsversprechen, Grundrechtsfragen und staatlicher Souveränität bewegt. Continue reading >>

Die Waffen des Silicon Valley

Ein Tech-Milliardär erklärt Aufrüstung zur moralischen Pflicht, KI-Waffen zum Fortschritt und demokratische Zweifel zur Gefahr. Hinter Alex Karps Manifest steht mehr als eine provokante Weltsicht: Es entwirft eine Ordnung, in der Sicherheit zum Geschäftsmodell und militärische Macht zur höchsten Tugend wird. Die Grenzen zwischen Staatsräson, Rüstungsindustrie und Big Tech verschwimmen dabei zusehends. Wer Karps Argumentation folgt, landet in einer Welt, in der ethische Einwände als Schwäche gelten und die nächste technologische Revolution vor allem auf dem Schlachtfeld stattfinden soll. Continue reading >>
26 August 2026
,

Palantir und digitale Souveränität

Polizeibehörden stehen vor einem Dilemma: Ihre IT-Strukturen sind komplex und über Jahre gewachsen, gleichzeitig wächst der Druck, Daten schneller und umfassender auszuwerten. Plattformen wie Palantir bieten dafür eine fertige Lösung und sind gerade deshalb attraktiv. Doch mit der schnellen Modernisierung können neue Abhängigkeiten entstehen: von einem Anbieter, seiner Technologie und den Strukturen, die sich um sie herum entwickeln. Continue reading >>

Die Vermessung des Verdachts

Sicherheitsbehörden setzen zunehmend auf Software, die in Millionen von Daten in Sekundenschnelle Zusammenhänge aufspüren soll. Systeme wie Palantirs Gotham versprechen, Informationen sichtbar zu machen, die in einzelnen Akten und Datenbanken verborgen bleiben. Doch was verändert sich, wenn Software zunehmend mitbestimmt, was der Staat überhaupt sieht und worauf er seine Aufmerksamkeit richtet? Continue reading >>
06 August 2026
, ,

Arm, aber handlungsfähig

Bei der Analyse der Folgen einer autoritär-populistischen Landesregierung in Sachsen-Anhalt gerät die Rolle der Kommunen leicht aus dem Blick. In Anbetracht ihrer begrenzten rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten ist das wenig verwunderlich. Die Praxis zeigt jedoch: Kommunale Mandatsträger*innen sind sehr wohl handlungsfähig. Ihre tatsächliche Macht liegt in der geschickten Nutzung informeller Werkzeuge, die ihnen qua Mandat zur Verfügung stehen. Gerade weil die AfD für die Umsetzung ihrer Vorhaben auf die kommunale Ebene angewiesen ist, gewinnt die Handlungsmacht der dortigen Mandatsträger*innen strategische Bedeutung. Continue reading >>
,

Systemsprenger im Sicherheitsföderalismus

Mit der Geschäftsübernahme einer AfD-Landesregierung ist erstmals ein grundlegender Umbau und zum Teil Abbau verfassungsschutzrechtlicher Landesstrukturen zu erwarten. Bestand und Kernaufgaben des Landesamts für Verfassungsschutz sind durch das Bundesrecht weitgehend abgesichert, zugleich bleiben politische Einflussnahmen auf Prioritäten, Personal und Öffentlichkeitsarbeit möglich. Die gemeinsame Zusammenarbeit, allen voran der Informationsaustausch im Verfassungsschutzverbund, wird zukünftig systematisch herausgefordert werden. Continue reading >>
05 August 2026
,

Ausfall von unten, Schutz von oben?

Denken wir uns in den Herbst 2028: In Sachsen-Anhalt feiert die AfD-Regierung zwei Jahre Regierungsmacht und bejubelt die Erfolge ihrer „landeseigenen Abschiebeoffensive“. In diesem alarmierenden Szenario kann das justizielle Mehrebenensystem potenzielle Rechtsbrüche einer AfD-Landesregierung sichtbar machen. Angesichts steigendem exekutivem Ungehorsams und autoritär-populistischer Delegitimierungsstrategien der AfD könnte das föderale Mehrebenensystem jedoch an seine Grenzen stoßen, insbesondere im migrationsrechtlichen (Eil-)Rechtsschutz. Effektiver Rechtsschutz kann dann oft nur da geleistet werden, wo Strukturen außerhalb der Gerichte stark genug sind, um die vulnerabelsten Gruppen zu schützen. Continue reading >>
,

Über Geld muss man reden!

Geld ist der zentrale Schlüssel für eine eigenständige Gestaltung politischer Vorhaben – steht es nicht zur Verfügung, fallen politische Visionen und Versprechen ins Nichts. Denkbar schlecht sind diesbezüglich die Voraussetzungen politischer Neugestaltung in Sachsen-Anhalt. Insbesondere die AfD aber stellt in ihrem Wahlprogramm zahlreiche kostspielige Politikziele in den Raum, die drei Fragen aufwerfen: Wer bezahlt das? Müssen die anderen Länder, der Bund und die Europäische Union mit ihren Transfers die Politik der AfD finanziell stützen? Und: Scheitert der versprochene „politische Neuanfang“ schlicht an der elementaren materiellen Voraussetzung, dem lieben Geld? Continue reading >>
04 August 2026
,

Die ostdeutsche Wagenburg

Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt die Staatskanzlei erobern, drohen Rechtsbrüche und damit die Frage nach föderalen Sanktionen. Doch diese könnten nicht-intendierte Folgen haben und der Partei in die Hände spielen. Eine „ostdeutsche Wagenburg“ zeichnet sich ab. Continue reading >>

Mit einem rostigen Schwert gegen ein Bundesland?

Überlegungen und Szenarien, die die Übernahme einer Landesregierung durch eine autoritär-populistische Partei betrachten, münden regelmäßig in die Frage „Was dann?“ und nicht selten in die Antwort, dass dann der Bund zu einem der Zwangsmittel greifen müsse, die das Grundgesetz vorsieht. In der öffentlichen Wahrnehmung wird dabei meist auf den Bundeszwang nach Art. 37 GG abgestellt, der in der Geschichte der Bundesrepublik aber noch nie eingesetzt wurde. Kommt jetzt seine Zeit? Und wie verhält er sich zu anderen Instrumenten, die das Grundgesetz anbietet? Continue reading >>
03 August 2026

Brandmauer und Bundestreue im Bundesrat

Eine von einer Partei allein getragene Landesregierung darf ihre potenziell mehrheitsentscheidende Stellung im Bundesrat grundsätzlich auch zur Ablehnung bundespolitischer Vorhaben nutzen. Doch die Bundestreue setzt dieser Mitwirkung jedoch dort eine enge Grenze, wo das Mitentscheidungsrecht sachbereichsübergreifend und strategisch zur Beeinträchtigung bundesstaatlicher Entscheidungsprozesse missbraucht wird. Continue reading >>
,

Blockierte Zusammenarbeit

Derzeit schließen beinahe alle übrigen Parteien aus guten Gründen die Zusammenarbeit mit der AfD aus; in Parlamenten ist von einer Brandmauer die Rede. Dies dürfte sich auf klassische Felder intraföderaler Zusammenarbeit auswirken. Umgekehrt wird auch ein AfD-regiertes Bundesland in vielen Bereichen kein Interesse an einer Kooperation haben. Die Frage ist, ob derartige wechselseitige Blockaden im kooperativen Föderalismus funktionieren können bzw. welche Konsequenzen sich aus solchen Störungen der Zusammenarbeit ergeben. Continue reading >>
,

Bollwerk oder Einfallstor?

In ihrem Wahlprogramm offenbart die AfD Sachsen-Anhalt die Radikalität ihres beabsichtigten kulturell-politischen Wandels. Sie plant einen strukturellen ideologischen Umbau der Landespolitik und setzt einem liberalen Weltverständnis „patriotischen Stolz“ entgegen. In vielfacher Hinsicht bestätigt sie damit die Einstufung der Landespartei durch den Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch. Doch eine AfD-Landesregierung würde nicht im luftleeren Raum agieren, sondern innerhalb des föderalen Gefüges. Das wirft die Frage auf: Ist der Föderalismus ein Bollwerk gegen den Rechtsextremismus oder gerade ein Einfallstor? Continue reading >>